„Sein Grab wird herrlich sein“
200 Jahre Heiliges Grab in Erpfting – Glaube, Handwerk und Gemeinschaft
Die Tradition der Heiligen Gräber reicht weit zurück. Schon im Mittelalter wurden in Kirchen symbolische Grabstätten errichtet, um das Leiden, den Tod und die Auferstehung Jesu Christi anschaulich darzustellen.
Mit bemalten Hintergründen, buntem Licht und ausdrucksstarken Figuren entstand eine eindringliche Darstellung. Sie sollte die Gläubigen in die Ereignisse der Karwoche hineinversetzen.
Auch in Erpfting wurde diese Tradition im Jahr 1824 aufgegriffen.
Kunst aus Holz und Farbe von Pankraz Kober
Das Heilige Grab der Pfarrkirche St. Michael geht auf den Künstler Johann Pankraz Kober zurück, der in der Region als Maler und Gestalter tätig war.
Es besteht aus aufwendig gestalteten Holzkulissen, die eine Felsengrotte darstellen. In ihrem Zentrum liegt der „Liegende Christus“, eine eindrucksvolle Figur, die den toten Jesus in ruhiger, würdevoller Haltung zeigt.
Bewacht wird das Grab von zwei Soldatenfiguren. Über dem Grab erhebt sich – als Zeichen des Sieges über den Tod – der „Auferstandene Christus“, der später in der Osterliturgie feierlich gezeigt wird.
Eine besondere Rolle spielen die sogenannten „Schusterkugeln“ – mit Wasser gefüllte Glaskugeln, die im Kerzenlicht geheimnisvoll schimmern und dem Grab eine fast mystische Atmosphäre verleihen.
Der Aufbau des Heiligen Grabes war bis in die 1960er Jahre hinein ein fester Bestandteil des Dorflebens. Mehrere Männer trafen sich in der Karwoche, um die schweren Holzteile aus dem Dachboden zu holen und in der Kirche aufzubauen. Auch Ministranten halfen mit, etwa beim Füllen der Glaskugeln oder beim Anbringen der Lichter.
Mit den liturgischen Veränderungen nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil geriet die Tradition vielerorts in Vergessenheit – so auch in Erpfting. Das Heilige Grab verschwand für Jahrzehnte aus dem Kirchenraum.
Wiederentdeckung und neue Wertschätzung
Erst im Jahr 2022 wurde das Heilige Grab auf dem Dachboden des Pfarrstadels wiederentdeckt. Staub bedeckte die alten Kulissen, doch ihre Substanz war erstaunlich gut erhalten. In liebevoller Arbeit wurden die Elemente gereinigt, restauriert und wieder zusammengesetzt.
Zur Osterzeit 2024 konnte das Heilige Grab schließlich wieder aufgebaut werden – genau 200 Jahre nach seiner Entstehung.
Und somit ein alter Brauch zur Osterzeit wieder aufgenommen werden.
Quellen
zu (1): Das Heilige Grab – 200 Jahre Heiliges Grab in Erpfting. Pfarrkirche St. Michael Erpfting. Festschrift zum Jubiläum 2024, herausgegeben von der Pfarrei St. Michael Erpfting, 2024. PDF-Dokument, 16 Seiten.