Wenn wir heute durch Erpfting gehen, ahnen wir kaum, wie weit die Wurzeln des Dorfes zurückreichen.
Erpfting gehört zu jenen Orten im Landkreis Landsberg, deren Ursprung bis in die Zeit der alamannischen Landnahme im frühen 6. Jahrhundert zurückreicht. (1)
Die Spur im Ortsnamen
Die Endungen „-ing“ oder „-ingen“ in einem Ortsnamen entstanden in einer Zeit, als nicht Häuser oder Landschaften den Namen prägten, sondern die Sippe oder Gefolgschaft eines Anführers.
Erpfting lässt sich auf einen Personennamen zurückführen – vermutlich auf einen Namen wie „Erpfolt“, der sinngemäß „Erbwalter“ oder „Erbprinz“ bedeutet.
Der Ortsname meint also ursprünglich: „Bei den Leuten des Erpfolt“. (1)
Alamannische Siedler am Lech
Die Lage der „-ing“-Orte gibt Hinweise auf die Herkunft ihrer Gründer. Eine auffällige Reihe solcher Siedlungen liegt entlang der alten Römerstraße, der Via Claudia. Zu dieser Gruppe zählen Obermeitingen, Igling, Denklingen – und eben auch Erpfting.
Diese Orte bilden einen Teil einer größeren Siedlungskette südlich von Augsburg. Sie liegen bevorzugt am Rand fruchtbarer Lößböden, oft in Gebieten, die vermutlich schon zur Römerzeit waldfrei und landwirtschaftlich nutzbar waren. Die Forschung geht davon aus, dass die Gründer dieser Orte aus nördlicher Richtung gekommen sein müssen – und somit Alamannen gewesen sind.
Die alamannische Landnahme wird zeitlich in die Jahre um oder kurz nach 500 datiert. Nach der Niederlage gegen die Franken bei Zülpich suchten alamannische Gruppen Schutz unter dem Ostgotenkönig Theoderich. In dieser Phase dürfte auch der Raum zwischen Iller und Lech neu besiedelt worden sein. Für die Orte westlich des Lechs besteht weitgehend Einigkeit, dass sie der alamannischen Besiedlung zuzurechnen sind. (1)
Vom Urhof zum Dorf
Die ersten „-ing“-Siedlungen waren wohl keine geschlossenen Dörfer, wie wir sie heute kennen. Vielmehr bestanden sie aus einzelnen Gehöftgruppen oder Urhöfen, die locker beieinanderlagen. Ein adeliger Gefolgschaftsherr dürfte die Urmark in Besitz genommen haben; ihm unterstanden freie wie unfreie Leute, die das Land rodeten und bebauten.
Erst im Laufe der folgenden Jahrhunderte wuchsen diese Siedlungskerne zu eigentlichen Dörfern zusammen. Durch Erbteilungen, Rodungen und Neuanlagen entstanden neue Höfe. Aus Weilern wurden Gewanndörfer mit grundherrschaftlicher Ordnung.
Auch Erpfting dürfte diesen Weg genommen haben – vom Sitz einer kleinen Gefolgschaft hin zu einer gewachsenen Dorfgemeinschaft. (1)
Ein Stück frühe Heimatgeschichte
Die Frage, ob im Lechrain zuerst Alamannen oder Bajuwaren siedelten, beschäftigte die Forschung lange. Doch für die „-ing“-Orte westlich des Lechs gilt die alamannische Herkunft als wahrscheinlich.
Die Alamannen brachten nicht nur neue Namen, sondern legten den Grundstein für jene Kulturlandschaft, die unsere Heimat bis heute prägt.
Quelle:
zu (1): Fried, Pankraz: Zur Siedlungsgeschichte im Landkreis Landsberg, in: Landsberger Geschichtsblätter, 7. Sammelband 1982–1985, hrsg. vom Historischen Verein für Stadt und Landkreis Landsberg am Lech, Landsberg 1985, S. 3–9.