Stadtteil von Landsberg am Lech

Theo Müller hat in Erpfting seine Kindheit und Jugend verbracht.

In den 1940er Jahren war vieles anders als heute. Er erinnert sich an die Tücken des Schlittschuhlaufens auf einem Erpftinger Weiher, an selbsgebastelte Eishockeyschläger und die Eissäger mit ihren langen Sägen.

Hören Sie selbst, was er im Gespräch mit Christian Oppermann erzählt!

Gespräch mit Theo Müller (geb. 1937)

Interview vom 02.03.2023, überarbeitet

Interviewer: Christian Oppermann


Kindheit und Schlittschuhlaufen

Theo Müller erzählt, dass seine Kindheit in einer ganz anderen Zeit stattfand als heute. Zum Schlittschuhlaufen kam er im Alter von etwa zehn bis zwölf Jahren. Er erhielt gebrauchte Schlittschuhe von einem Polizisten aus Landsberg, der regelmäßig Eier und Milch bei ihnen holte. Mit diesen Schlittschuhen fühlte er sich „wie ein kleiner König“.
Auf dem Eis wurde außerdem Eishockey gespielt. Die Schläger dafür konnten sie sich nicht kaufen, das wäre damals unmöglich gewesen, sondern sie schnitzten sie selbst aus Holunderstauden.

Eis, Winter und Naturverhältnisse früher

Theo Müller betont mehrfach, dass nicht nur die Zeiten, sondern auch die Natur früher ganz anders gewesen seien. Es gab regelmäßig lange, strenge Winter mit Temperaturen von minus 15 bis minus 25 Grad Celsius.  Die Weiher froren jedes Jahr stark zu, mit Eisstärken von etwa 20 bis 25 Zentimetern.
Auf diesem Eis konnte man problemlos Schlittschuh laufen und Eisstock schießen.

Eisgewinnung am Weiher für den Sonnenwirt

Der Weiher gehörte dem Sonnenwirt. Dieser ließ jedes Jahr im Winter Eis für die Kühlung seiner Wirtschaft gewinnen. Dafür stellte er mehrere Arbeiter ein.

Der Kühlraum in der Wirtschaft

In der Wirtschaft gab es einen kleinen Kühlraum, etwa zwei auf zwei Meter oder zweieinhalb auf zweieinhalb Meter groß. Die Gartenschenke existierte damals noch nicht.
Vor dem Kühlraum lagen Balken und dicke Läden. Das Eis wurde davor mit schweren Werkzeugen – Schlägeln, großen Hämmern („Jakob“) – zerschlagen und anschließend mit Schaufeln in den Raum geschaufelt.

Das Aussägen und Bergen des Eises

Das Eis wurde direkt am Weiher mit großen Sägen aus dem Eis geschnitten. Diese Sägen waren etwa eineinhalb Meter lang, sehr grob gezahnt und erinnerten an große Fuchsschwänze. Die Arbeiter sägten Eisblöcke aus und zogen sie mit spitzen Eisenzangen aus dem Wasser.
Dabei entstand zeitweise eine offene Wasserfläche von etwa acht bis zehn Quadratmetern.
Theo Müller erzählt, dass er beim Rückwärts-Schlittschuhlaufen einmal nicht aufgepasst habe und mit voller Geschwindigkeit in diese Wasserfläche geraten sei. Die Arbeiter zogen ihn mit den Zangen wieder aus dem Wasser.

Transport des Eises

Das Eis wurde in Gummiwägen verladen. Vom Weiher führte eine Rutsche hinunter zum Ufer und von dort weiter zu den Wägen. Zwei Fuhrwerke transportierten das Eis vom Weiher zur Wirtschaft des Sonnenwirts.
Hydraulische Hebevorrichtungen gab es damals noch nicht. Die Eisblöcke waren sehr groß – etwa 30 × 30, 30 × 40 oder sogar 30 x 50 Zentimeter. Vor der Kühlanlage wurden sie erneut mit schweren Werkzeugen zerkleinert und mit Schnee- oder Sandschaufeln in den Kühlraum eingebracht.
Je nachdem, wie hoch das Eis im Raum lag, wurden vorne dicke Holzläden eingelegt, die als Isolierung dienten.

Arbeitskräfte nach dem Krieg

Nach dem Krieg waren wenige Männer im Dorf. Der Sonnenwirt – der Zendath Johann – hatte oft Probleme, genügend Helfer zu finden. Für das Eisarbeiten wurden mindestens vier Männer am Weiher und zwei weitere an der Wirtschaft benötigt.
Theo Müller selbst hat diese Arbeiten nur ein- oder zweimal beobachtet. Sein Bruder Gabriel, zehn Jahre älter als er, musste regelmäßig mithelfen. In den Jahren 1947, 1948 und 1949 war dies üblich – jeder Mann wurde gebraucht.

Eisstockschießen und Freizeit

Als Theo Müller älter wurde, bildeten sich Mannschaften zum Eisstockschießen, vor allem an den Wochenenden. Nach seiner Militärzeit nahm er selbst aktiv teil und besaß sogar zwei Eisstöcke – je nach Eisbedingungen wählte er den passenden aus.
Beim Eisstockschießen konnte man Geld gewinnen oder verlieren. Manchmal gewann man an einem Sonntagnachmittag eine Mark, manchmal verlor man sie auch wieder.

Preise, Geld und Militärzeit

Vor seiner Militärzeit kostete beim Sonnenwirt ein halbes Bier 50 Pfennig, später 55 Pfennig. Theo Müller wurde am 6. Oktober 1958 nach Regensburg zu den Panzergrenadieren eingezogen und am 30. September 1959 entlassen.
In Regensburg verdienten sie etwa zwei Mark am Tag. Die Straßenbahn hätte Geld gekostet – insgesamt 80 Pfennig für Hin- und Rückfahrt –, deshalb gingen sie oft zu Fuß vier Kilometer in die Stadt und wieder zurück.
Zum Schluss bedankt sich der Interviewer für den ersten Teil der Erinnerungen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Newsletter

Aktuelle Infos aus Erpfting! Hier können Sie sich in den Email-Verteiler vom Arbeitskreis Erpfting eintragen!

Zum Inhalt springen