Ein Schmiedesohn mit großem Talent
Am 4. April 1741 wurde Georg Huß in Erpfting geboren (1). Der Vater, Peter Huß, arbeitete als Hufschmied im Haus Nr. 14 in Erpfting, die Mutter trug den Namen Maria (2).
Beim jungen Georg zeigte sich früh ein besonderes Talent. Während die schwere Arbeit in der Schmiede den jungen Georg kaum interessierte, fühlte er sich stark zu Büchern hingezogen. Für einen Handwerkersohn jener Zeit eher ungewöhnlich.
Doch offenbar erkannten seine Umgebung und Förderer sein Können – und öffneten ihm Wege, die sonst nur wenigen offenstanden.
Der Aufstieg in der Gesellschaft Jesu
Mit nur 17 Jahren, am 13. September 1758, trat Georg Huß in den Jesuitenorden ein (1). Die Gesellschaft Jesu galt damals als eine der gebildetsten und einflussreichsten Gemeinschaften innerhalb der katholischen Kirche.
Auch in Landsberg unterhielten die Jesuiten ein bedeutendes Kollegium sowie ein Noviziatshaus (3).
Dort erhielt Huß eine umfassende Ausbildung, geprägt von Disziplin, Gelehrsamkeit und rhetorischer Schulung. Zeitgenossen beschrieben ihn später als „hochgelehrten Mann“ (2).
Besonders als Prediger gewann er hohes Ansehen. In der Landsberger Stadtpfarrkirche zog er mit seinen Worten die Menschen in den Bann – vor allem durch Klarheit, Bildung und innere Überzeugung.
Professor der Dichtkunst in Zeiten des Umbruchs
Das Jahr 1773 brachte eine tiefgreifende Zäsur: Papst Clemens XIV. hob den Jesuitenorden auf (4). Für viele Ordensmitglieder bedeutete dies den Verlust ihrer Lebensgrundlage.
Georg Huß jedoch blieb seiner Berufung treu. In Landsberg wurde das bisherige Jesuiten-Gymnasium neu organisiert, und Huß fand dort eine neue Aufgabe. Als sogenannter „Professor Poëseos“ unterrichtete er Dichtung und Rhetorik (5).
Damit wirkte er weiterhin an der Bildung junger Menschen mit – und trug dazu bei, dass die geistige Tradition des Ordens auch nach dessen Auflösung fortlebte.
Professor Poeseos
Ein „Professor Poëseos“ war ein Professor für Poetik beziehungsweise Poesie. Sie waren die Vorreiter der klassischen Philologie.
Bei den Jesuiten sollten durch sprachliche und rhetorische Schulung Schüler zu gebildeten und überzeugenden Rednern im Dienst von Kirche und Gesellschaft werden. (6, 7)
Ein bleibendes Geschenk für die Erpftinger Kirche
Das Leben des Pater Georg Huß war kurz. Am 14. Juni 1775 starb er in Landsberg, erst 34 Jahre alt (2).
Doch trotz seines Wirkens in der Stadt blieb er seiner Heimat stets verbunden. Ein sichtbares Zeichen dieser Verbundenheit findet sich bis heute in der Erpftinger Kirche: Huß schenkte ihr ein Gemälde des heiligen Aloisius.
Quellen:
- Schober, J. Joh. (Hrsg.): Die letzten Jesuiten in Landsberg. In: Landsberger Geschichtsblätter für Stadt und Bezirk, 4. Jahrgang, Nr. 9, Landsberg 1905, S. 52.
- Schober, J. Joh. (Hrsg.): Die letzten Jesuiten in Landsberg (Anmerkungen). In: Landsberger Geschichtsblätter für Stadt und Bezirk, 4. Jahrgang, Nr. 9, Landsberg 1905, S. 53.
- Schober, J. Joh. (Hrsg.): Schilderungen aus alter Zeit: Jesuitenkollegium. In: Landsberger Geschichtsblätter für Stadt und Bezirk, 3. Jahrgang, Nr. 4, Landsberg 1904, S. 23–24.
- Schober, J. Joh. (Hrsg.): Die letzten Jesuiten in Landsberg (Einleitung). In: Landsberger Geschichtsblätter für Stadt und Bezirk, 4. Jahrgang, Nr. 9, Landsberg 1905, S. 49.
- Schober, J. Joh. (Hrsg.): Die letzten Jesuiten in Landsberg (Fußnote 6). In: Landsberger Geschichtsblätter für Stadt und Bezirk, 4. Jahrgang, Nr. 9, Landsberg 1905, S. 50
- Ratio atque institutio studiorum Societatis Iesu. Rom 1599.
- Wikipedia, Liste der klassischen Philologen in Gießen.