Die Sage vom Husarenacker bei Erpfting: Heldentat mit dem Pflughammer
Es war im Frühjahr 1742, als der österreichische Erbfolgekrieg das Land in Atem hielt. Die Gegend um Landsberg glich einem Pulverfass, denn die österreichische Armee unter der ungarischen Königin Maria Theresia war in Bayern eingefallen (1).
Der gefürchtete Oberst Menzel belagerte mit seinen Scharen aus Panduren, Kroaten und Husaren die Stadt Landsberg (1), (2).
Während die Landsberger hinter ihren Mauern tapferen Widerstand leisteten, hatten die umliegenden Dörfer schwer unter den Streifzügen der Belagerer zu leiden.
Die Plünderer kommen nach Erpfting
In Erpfting herrschte helle Aufregung. Menzels Soldaten waren auf der Suche nach Material für den Sturm auf die Stadt. Sie durchkämmten die Höfe und nahmen alles mit, was für eine Belagerung nützlich sein könnte: Sämtliche Leitern wurden konfisziert, alle verfügbaren Seile zusammengesucht und in ihrer Zerstörungswut schnitten die Soldaten sogar die Glockenseile der Kirche ab (2).
Inmitten dieser Unruhe versuchten die Bauern, so gut es ging, ihre tägliche Arbeit auf den Feldern zu verrichten, immer mit einem bangen Blick in Richtung der feindlichen Linien.
Der ungleiche Kampf auf dem Acker
Eines Tages, gegen Ende März 1742, war ein Erpftinger Bauer gerade mit seinem Pferdegespann auf dem Feld beschäftigt (2). Plötzlich tauchte ein einsamer Husar auf – einer der sogenannten „Rotmäntel“, die für ihre Beutegier berüchtigt waren. Der Soldat sah in den kräftigen Pferden des Bauern eine leichte Beute und galoppierte mit gezogenem Säbel auf ihn zu, um ihm die Tiere zu rauben (2).
Doch der Husar hatte die Rechnung ohne den mutigen Landmann gemacht. Anstatt zu fliehen, griff der Bauer zu seinem schwersten Werkzeug: einem Pflughammer. Als der Reiter ihn angriff, setzte sich der Bauer entschlossen zur Wehr und versetzte dem Husaren einen so gewaltigen Schlag, dass dieser leblos vom Pferd sank und auf der Stelle verstarb (2).
Ein reicher Fund und ein heimliches Begräbnis
Das herrenlose Pferd des Husaren jagte davon, konnte aber glücklicherweise eingefangen werden, bevor es die feindlichen Stellungen erreichte. Als man die Ausrüstung des Toten untersuchte, machten die Erpftinger eine erstaunliche Entdeckung: In den Pistolenhalftern des Husaren steckten 300 Gulden – eine gewaltige Summe, die der „Rotmantel“ wohl auf seinen Raubzügen zusammengestohlen hatte (2).
Um keine Racheakte der Österreicher heraufzubeschwören, musste die Tat unbedingt geheim bleiben. In aller Stille begrub man den Gefallenen im Wald nahe der Eichkapelle, links der Straße (2). Der Acker aber, auf dem sich diese Heldentat zutrug, trägt seit jenem Tag den Namen, der die Geschichte bis heute bewahrt: der Husarenacker (2).
Quellen:
- Schober, J. Joh. (Hrsg.): Anmärckung von Kriegszeiten. In: Landsberger Geschichtsblätter für Stadt und Bezirk, 1. Jahrgang, Nr. 11, Landsberg 1902, S. 62.
- Schober, J. Joh. (Hrsg.): Der Husarenacker bei Erpfting. In: Landsberger Geschichtsblätter für Stadt und Bezirk, 6. Jahrgang, Nr. 4, Landsberg 1907, S. 22–23.