Joseph Einzinger aus Schwifting unterrichtete von 1866-1891 die Erpftinger Kinder in der „Alten Schule“ beim heutigen Feuerwehrhaus. Neben seiner Funktion als Lehrer beschrieb Einzinger auch als Chronist die Erpftinger Volksbräuche.
Rams und Tarocken
„Die Kinder haben allzu wenig Spiele. Mit Schusser und Ball wissen sie nicht umzugehen. Die Knaben scheren sich (bei) Soldaten- und Jagdspiel am nahen Waldesende am liebsten aus; die Mädchen machen Ringelreihen und Versteckens. Ebenso fehlt die Lust zum Singen. Wohl versuchen sie die Schullieder im Freien zu singen, doch geht es bald unter Gelächter zu Ende.
Das Kartenspiel wird in den Wohn- und Wirtshäusern sehr billig betrieben. Das gewöhnliche Spiel ist der „Rams“; es kommt aber auch vor, daß das Tarocken von zwei Parteien zugleich im Wirtshaus eifrig betrieben wird.
Die Spinnstube oder „Gunglhaus“ hat mit dem Spinnen ein Ende gefunden und zum Heil der Gemeinde Ersatz gefunden.
Ein großer Platz zwischen dem Pfarrgarten und dem Walde heißt noch der Gemeingarten. Hier kam früher alt und jung an den Sommerabenden zur Unterhaltung zusammen, was längst aufgehört hat.
Seitdem Getreide gemäht und mit der Maschine gedroschen wird, sind von den Erntegebräuchen nur mehr das Küchlbacken und das „Flegelhängen“ übrig geblieben. Während der Getreideernte werden nämlich täglich Küchlein auf den Tisch gebracht und wenn das Getreide gedroschen ist, wird ein Familienschmaus gehalten unter dem Namen „Flegelhängen“.
Die jüngeren Personen wissen mit der Sichel nicht mehr umzugehen und der Flegel arbeitet nur mehr auf einigen Roggenstroh, um Bänder zu erhalten.
Auf einem anderen Blatt steht mit derselben Handschrift:
Es gab hier mehrere starke Schnapstrinker, von denen drei den Säuferwahnsinn hatten und einer davon sich erhängte. Diese Beispiele haben derart abgeschreckt, daß viele Anfänger im Schnapstrinken sich von dieser verderblichen Gewohnheit gänzlich losmachten.“ (1)
Spiele der Kinder
Die Kinder, so heißt es in der Aufzeichnung, hätten nur wenige Spiele gekannt. Mit Schussern (Murmeln) oder Ballspielen wussten sie wenig anzufangen.
Die Buben zog es gern an den nahen Waldrand, wo sie Soldaten- oder Jagdspiele veranstalteten.
Die Mädchen dagegen spielten im Dorf Ringelreihen oder Verstecken.
Auch das Singen spielte offenbar keine große Rolle. Zwar versuchten die Kinder manchmal, die in der Schule gelernten Lieder im Freien anzustimmen. Doch meist endete dies recht schnell in Gelächter.
Kartenspiele in Wirtshaus und Stube
Ganz anders sah es bei den Erwachsenen aus. Das Kartenspiel war im Dorf weit verbreitet und wurde sowohl in Wohnstuben als auch im Wirtshaus gepflegt. Besonders beliebt war das Spiel „Rams“, ein einfaches Kartenspiel, bei dem meist mehrere Spieler gegeneinander antraten.
Daneben wurde gelegentlich auch „Tarocken“ gespielt, auch ein Kartenspiel. Manchmal saßen sogar zwei Spielrunden gleichzeitig im Wirtshaus beisammen.
Vom Spinnhaus zum Gemeingarten
Früher hatte auch die Spinnstube, im Dialekt „Gunglhaus“ genannt, eine wichtige Rolle gespielt. In den Wintermonaten trafen sich dort vor allem junge Frauen zum Spinnen. Doch diese Tradition war zu jener Zeit bereits verschwunden.
Dann war noch der Gemeingarten, ein großer Platz zwischen Pfarrgarten und Wald. An Sommerabenden versammelten sich dort einst Alt und Jung zur Unterhaltung. Auch diese Gewohnheit war längst vorbei.
Alte Erntebräuche
Mit der Einführung neuer landwirtschaftlicher Maschinen änderte sich auch das Leben auf den Feldern. Als das Getreide noch von Hand gemäht und mit dem Flegel gedroschen wurde, gehörten zahlreiche Bräuche zur Erntezeit. Von diesen Traditionen blieben nur wenige übrig: Einmal das Küchlbacken, bei dem während der Erntezeit täglich frische Küchlein auf den Tisch kamen und dann das „Flegelhängen“, ein gemeinsames Essen der Familie nach Abschluss des Dreschens.
Die jüngere Generation konnte mit Sichel und Dreschflegel kaum noch umgehen. Den Flegel nutzt man nur noch, um daraus Bänder zu gewinnen.
Schnaps trinken
Auf einem weiteren Blatt mit derselben Handschrift findet sich folgende Bemerkung: Mehrere Männer seien starke Schnapstrinker gewesen; drei von ihnen hätten sogar unter Säuferwahnsinn gelitten, einer habe sich sogar erhängt.
Dies wirkte offenbar abschreckend auf andere Dorfbewohner.
Quelle:
zu (1): „Unter dem Taufkissen ein Amulett“, Autor: Anton Huber, Landsberger Geschichtsblätter, 1992-1993.