Stadtteil von Landsberg am Lech

Erpfting als „Kleines Tyrol“ – Ein Dorf ersteht aus der Asche

Als im Jahr 1648 die Schrecken des Dreißigjährigen Krieges endlich ein Ende fanden, war Erpfting kaum mehr wiederzuerkennen. Was einst ein lebendiges Dorf gewesen war, lag verwüstet und entvölkert da. Die Häuser standen leer oder waren verfallen, die Felder verwildert. Nur wenige Menschen hatten Krieg, Hunger und Pest überlebt – zu wenige, um das Dorf aus eigener Kraft wieder aufzubauen (1).

Die verödete Heimat

Zeitgenössische Berichte zeichnen ein düsteres Bild jener Jahre. Von über hundert Anwesen waren zeitweise nur noch zwei bewohnt (1). Ganze Familienlinien waren ausgelöscht. Lediglich vier der alten Geschlechter – Krumper, Zendath, Meßmer und Pappberger – konnten sich über die Katastrophe hinweg retten (2).

Die Landwirtschaft, einst Lebensgrundlage des Dorfes, lag am Boden. Ohne Zugtiere und Knechte blieb den wenigen Überlebenden oft nichts anderes übrig, als sich selbst vor den Pflug zu spannen (1).

Ein Neuanfang mit fremden Wurzeln

Doch selbst in dieser Not keimte langsam neues Leben. Noch während die Pest abklang, setzte eine vorsichtige Wiederbesiedlung ein. Ab etwa 1636 zog es Menschen aus verschiedenen Regionen nach Erpfting, angelockt von der Aussicht auf Land und eine neue Existenz (3).

Besonders auffällig war der starke Zuzug aus dem Alpenraum. Viele Familien aus Tirol fanden hier eine neue Heimat. Ihr Einfluss prägte das Dorf so nachhaltig, dass sich bald ein neuer Name im Volksmund etablierte: „Das kleine Tyrol“ (3).

Eines der ältesten Erpftinger Häuser, Obere Ringstraße 1
Obere Ringstraße 1, auch hier wohnten Tiroler

 

Die Pioniere aus den Bergen

So heiratete im Jahr 1649 Thomas Auer aus dem österreichischen Bongartenberg nach Erpfting ein (3). Einige Jahrzehnte später folgte Michael Fischer aus Schluderns in Tirol (1673) (3).

Auch Frauen trugen entscheidend zum Wiederaufbau bei. Magdalena Räpoldia aus Biberwier am Fernpass etwa wurde 1652 in der Pfarrkirche getraut (3). Mit ihnen kamen neue Bräuche, neue Arbeitsweisen – und vor allem die Kraft, wieder anzufangen.

Diese „Pioniere aus den Bergen“ bestellten die Felder neu, bauten Höfe auf und schufen die Grundlage für das Erpfting, wie wir es heute kennen.

Pfarrer Süßmair – Helfer in der Not

Eine besondere Rolle in dieser schweren Zeit spielte Pfarrer Michael Süßmayr. Während viele Geistliche aus Angst vor Krankheit und Tod ihre Gemeinden verließen, blieb er. Zwischen 1630 und 1650 wirkte er unter größten Entbehrungen in Erpfting und darüber hinaus (4).

Er betreute nicht nur seine eigene Pfarrei, sondern versorgte zeitweise sechs Gemeinden gleichzeitig mit den Sakramenten (5). Gerade in den dunkelsten Stunden war er für die Menschen da – als Seelsorger, Tröster und letzter Begleiter.

Sein Grabstein an der südlichen Außenmauer der Pfarrkirche St. Michael erinnert noch heute an diesen außergewöhnlichen Mann, der dem Dorf in seiner schwersten Zeit Halt gab (4).

Ein Dorf mit neuer Seele

Als sich die Lage langsam besserte, war Erpfting nicht mehr dasselbe Dorf wie vor dem Krieg. Die alten Strukturen waren zerbrochen, doch an ihre Stelle trat eine neue Gemeinschaft – gewachsen aus Menschen unterschiedlichster Herkunft.

Quellen

  • (1): Müller-Hahl, Bernhard: Ortsgeschichte Erpfting. Landsberg 1972, S. 18, 59.
  • (2): Läuterer, Oswald: Das Pfarrdorf Erpfting im 30-jährigen Krieg. In: Landsberger Geschichtsblätter, 22. Jahrgang, Landsberg 1925, S. 38.
  • (3): Läuterer, Oswald: Das Pfarrdorf Erpfting in den Zeiten nach dem 30jähr. Kriege. In: Landsberger Geschichtsblätter, 22. Jahrgang, Landsberg 1925, S. 34–35.
  • (4): Schober, J. Joh. (Hrsg.): Die Pfarrherren im Bezirke: Erpfting. In: Landsberger Geschichtsblätter für Stadt und Bezirk, 9. Jahrgang, Nr. 2, Landsberg 1910, S. 6.
  • (5): Hofmann, J.: Geschichtliche Notizen (Pfarrchronik Erpfting). Zitiert in: Landsberger Geschichtsblätter, 9. Jahrgang, Nr. 2, Landsberg 1910, S. 6.

 

 

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