Stadtteil von Landsberg am Lech

Joseph Einzinger aus Schwifting unterrichtete von 1866-1891 die Erpftinger Kinder in der „Alten Schule“ beim heutigen Feuerwehrhaus. Neben seiner Funktion als Lehrer beschrieb Einzinger auch als Chronist die Erpftinger Volksbräuche.

In Erpfting und der Region am Lechrain war eine Hochzeit früher das bedeutendste Ereignis im Dorfleben. Dank der detaillierten Aufzeichnungen der Lehrer Brendl (Erpfting) und Einzinger (ehemals Erpfting) aus dem Jahr 1904 wissen wir heute noch genau, wie diese Feste abliefen. Damals war eine Heirat oft weniger eine reine Liebesangelegenheit, sondern vielmehr ein gut durchdachtes Geschäft, bei dem es um den Erhalt von Haus und Hof ging.

Vom Vermittler zur Brautschau

Da viel auf dem Spiel stand, überließ man nichts dem Zufall. Ein geschickter Vermittler, der sogenannte „Schmuser“ oder Heiratsbuffer, fädelte die Verbindung ein. Er kannte die Vermögensverhältnisse aller Bauern der Gegend genau. Wenn sich die Familien einig waren, folgte die „Gschau“ (Brautschau), bei welcher der Bräutigam und seine Eltern den Hof der Braut besichtigten. War alles zur Zufriedenheit, erhielt das Mädchen den „Gschauthaler“ als Zeichen, dass das Heiratsversprechen nun fest galt.

Der Kuchelwagen und das Stuhlfest

Einige Tage vor der eigentlichen Hochzeit fand der Umzug der Aussteuer statt. Der prachtvoll geschmückte „Kuchelwagen“ brachte Betten, Schränke und Wäsche zum Hof des Bräutigams. Gezogen wurde er von vier Pferden, und oft wurde hinter dem Wagen die bekränzte „Brautkuh“ – das schönste Stück Vieh aus dem Stall der Brauteltern – hergeführt. Vor der Trauung gab es zudem das „Stuhlfest“ im Pfarrhaus, bei dem der Pfarrer das Brautpaar prüfte und den offiziellen Verspruch entgegennahm.

Der Hochzeitstag: Abschied und Kirchgang

Am Hochzeitsmorgen hielt der Hochzeitslader im Elternhaus der Braut eine bewegende Abschiedsrede. Darin dankte er den Eltern im Namen der Tochter für die Erziehung und Nahrung. Auf dem Weg zur Kirche wurden die Brautleute oft von Kindern oder Ministranten mit einem Seil „aufgehalten“ und mussten sich den Weg mit Geld erkaufen. In der Kirche selbst wurde nach der Trauung der geweihte „Johanneswein“ getrunken, ein Brauch, der Segen für die Ehe bringen sollte.

Das Festmahl und der Krauttanz

Das anschließende Hochzeitsmahl im Wirtshaus war gewaltig und bestand meist aus sieben Gängen. Ein besonderer Höhepunkt war das Servieren des Sauerkrauts mit Würsten. Sobald das Kraut auf den Tisch kam, begann der „Krauttanz“. Wer nicht mitmachte, wurde als „Pfründner“ verspottet, und man sagte, die Frauen müssten „das Kraut hüten“. Ein weiterer Brauch war das „Wickele holen“, bei dem ein reich verziertes Spinnrad umtanzt wurde.

Der Brauttanz und das Löffelholen

Spät am Abend folgte der „Brauttanz“. Mitten im Tanz behauptete der Hochzeitslader plötzlich, die Braut würde hinken. Er untersuchte ihren Schuh und fand – nachdem die Braut heimlich ein Geldstück hineingelegt hatte – die angebliche Ursache. Dieses Geld bekamen die Musikanten als Trinkgeld. Acht Tage nach dem Fest besuchten die Neuvermählten die Eltern der Frau zum „Löffelholen“. Dabei bekamen sie oft einen silbernen Löffel geschenkt, was den endgültigen Umzug der Frau in den Haushalt des Mannes symbolisierte.

Aberglaube zum Glück

Viele kleine Bräuche sollten das junge Paar vor Unheil schützen. So durfte der Knecht beim Fahren des Kuchelwagens nicht mit der Peitsche knallen, damit die Braut später keine Schläge bekäme. Regnete es am Hochzeitstag, galt dies als Zeichen für künftigen Wohlstand in der Ehe.

 

Quelle:

Schober, J. Joh. (Hrsg.): Das Bauernleben am Lechrain, in: Landsberger Geschichtsblätter, 3. Jahrgang, Nr. 8, Landsberg 1904, S. 41-48.

Newsletter

Aktuelle Infos aus Erpfting! Hier können Sie sich in den Email-Verteiler vom Arbeitskreis Erpfting eintragen!

Zum Inhalt springen